Cannabis Inhaltsstoffe: THC, CBD, CBN, CBG & THCA – Wirkung & Unterschiede
Cannabinoide: Die wichtigsten Wirkstoffe in Cannabis
Medizinisches Cannabis enthält über 100 verschiedene Cannabinoide — chemische Verbindungen, die mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System interagieren. Jedes Cannabinoid hat ein eigenes Wirkprofil. Die Kombination mehrerer Cannabinoide, zusammen mit Terpenen, erzeugt den sogenannten Entourage-Effekt — eine synergistische Verstärkung der therapeutischen Wirkung.
THC (Tetrahydrocannabinol)
THC ist der bekannteste und am stärksten psychoaktive Wirkstoff in Cannabis. Er bindet primär an die CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und erzeugt das typische Cannabis-High.
Medizinische Wirkung:
- Schmerzlindernd (analgetisch)
- Appetitanregend — besonders bei Kachexie, Chemotherapie-Nebenwirkungen
- Muskelentspannend (spasmolytisch)
- Antiemetisch (gegen Übelkeit und Erbrechen)
- Euphorisierend, stimmungsaufhellend
Typische Konzentrationen: 15–30 % in Blüten, 40–90 % in Extrakten.
Zugelassene Anwendung: Chronische Schmerzen, Spastik (MS), Appetitlosigkeit, Übelkeit bei Chemotherapie.
THCA (Tetrahydrocannabinolsäure)
THCA ist die saure Vorstufe von THC und kommt in der rohen, unerhitzten Pflanze vor. Es ist nicht psychoaktiv — erst durch Erhitzen (Decarboxylierung) wird THCA in THC umgewandelt.
Medizinische Eigenschaften:
- Entzündungshemmend
- Neuroprotektiv — potentieller Schutz bei neurodegenerativen Erkrankungen
- Antiemetisch (gegen Übelkeit)
- Antiproliferativ — möglicherweise wachstumshemmend bei Tumorzellen
Hinweis: Der THCA-Gehalt auf Analysezertifikaten gibt Aufschluss über das THC-Potential einer Sorte. Beim Verdampfen wird THCA zu THC.
CBD (Cannabidiol)
CBD ist das zweithäufigste Cannabinoid und nicht psychoaktiv. Es moduliert die Wirkung von THC — kann Angst und Paranoia reduzieren — und hat ein eigenständiges therapeutisches Profil.
Medizinische Wirkung:
- Anxiolytisch (angstlösend)
- Antikonvulsiv — zugelassen bei schweren Epilepsieformen (Epidiolex)
- Entzündungshemmend
- Antipsychotisch
- Neuroprotektiv
Typische Konzentrationen: 0,1–5 % in THC-dominanten Sorten, bis 20 % in CBD-Sorten.
Zusammenspiel mit THC: CBD kann die psychoaktive Wirkung von THC abmildern und wird daher oft bewusst in Rezepturen integriert.
CBN (Cannabinol)
CBN entsteht durch den Abbau von THC — insbesondere durch Alterung, Licht und Sauerstoff. Es ist nur schwach psychoaktiv (ca. 10 % der THC-Wirkung).
Medizinische Eigenschaften:
- Sedierend — möglicherweise schlaffördernd
- Appetitanregend
- Entzündungshemmend
- Antibakteriell (in Studien gegen MRSA wirksam)
Hinweis: Ältere Cannabisblüten mit erhöhtem CBN-Gehalt können müder machen als frische Ware.
CBG (Cannabigerol)
CBG gilt als Stammzelle der Cannabinoide — es ist die chemische Vorstufe, aus der THC, CBD und weitere Cannabinoide synthetisiert werden. In der reifen Pflanze kommt CBG nur in geringen Mengen vor (meist unter 1 %).
Medizinische Eigenschaften:
- Entzündungshemmend — besonders bei entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn)
- Antibakteriell
- Neuroprotektiv — Forschung bei Huntington, Parkinson
- Augeninnendruck-senkend (Glaukom)
- Nicht psychoaktiv
CBC (Cannabichromen)
CBC ist eines der weniger bekannten Cannabinoide, wird aber zunehmend erforscht. Es ist nicht psychoaktiv und bindet nicht direkt an CB1- oder CB2-Rezeptoren.
Medizinische Eigenschaften:
- Antidepressiv — verstärkt die Wirkung von Anandamid (körpereigenes Cannabinoid)
- Schmerzlindernd — synergistisch mit THC
- Entzündungshemmend
- Möglicherweise neurogenesisfördernd (Bildung neuer Gehirnzellen)
THCV (Tetrahydrocannabivarin)
THCV ist strukturell mit THC verwandt, hat aber ein deutlich anderes Wirkprofil. In niedrigen Dosen wirkt es als CB1-Antagonist (blockiert THC-Rezeptoren), in höheren Dosen kann es leicht psychoaktiv sein.
Medizinische Eigenschaften:
- Appetitzügelnd — Gegenteil von THC (interessant für Gewichtsmanagement)
- Blutzucker-regulierend — Forschung bei Typ-2-Diabetes
- Energetisierend, fokussierend
- Anxiolytisch (angstlösend)
Vorkommen: Besonders in afrikanischen Sativa-Landrassen (Durban Poison).
Der Entourage-Effekt
Die therapeutische Kraft von Cannabis liegt nicht in einzelnen Cannabinoiden allein, sondern in ihrem Zusammenspiel. Der Entourage-Effekt beschreibt, wie Cannabinoide, Terpene und Flavonoide gemeinsam wirken:
- THC + CBD: CBD mildert THC-Nebenwirkungen (Angst, Paranoia) und verlängert die schmerzlindernde Wirkung
- THC + Myrcen: Myrcen erleichtert die Passage durch die Blut-Hirn-Schranke und verstärkt den THC-Effekt
- CBD + Beta-Caryophyllen: Beide wirken entzündungshemmend über unterschiedliche Mechanismen — synergistische Verstärkung
- CBG + Linalool: Anxiolytische Kombination für stressbedingte Beschwerden
Quelle: Russo, E.B. (2011). „Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects.“ British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364.
Übersicht: Cannabinoide auf einen Blick
| Cannabinoid | Psychoaktiv? | Hauptwirkung | Typischer Gehalt |
|---|---|---|---|
| THC | Ja | Schmerzlindernd, euphorisierend | 15–30 % |
| THCA | Nein | Entzündungshemmend, neuroprotektiv | 15–30 % (roh) |
| CBD | Nein | Anxiolytisch, antikonvulsiv | 0,1–20 % |
| CBN | Schwach | Sedierend, antibakteriell | < 1 % |
| CBG | Nein | Entzündungshemmend, neuroprotektiv | < 1 % |
| CBC | Nein | Antidepressiv, schmerzlindernd | < 1 % |
| THCV | In hoher Dosis | Appetitzügelnd, energetisierend | < 1 % |
Wenn du Cannabis mit einem bestimmten Cannabinoid-Profil suchst – zum Beispiel THC-arm oder CBD-reich – findest du im CannaZen Shop alle zugelassenen Sorten mit vollständigen Analysezertifikaten. Rezept online anfragen und legal bestellen.











